Die Nacht auf dem Drachenfels

25. Juli 2023

Die Düsseldorfer Künstlerin Bettina Meyer ist gerade zum zweiten Mal Artist in Residence in Königswinter und ist auch dem Drachenfels schon seit Jahren eng verbunden. 2015 schuf sie die beiden leuchtend orangefarbenen Figuren auf dem Plateau, die seither eine zusätzlichen Attraktion für viele Besucher des Berges geworden sind. Die „Two Forms“ werden von Touristen fotografiert und über Instagram & Co. in die ganze Welt verschickt. Die Idee eine Ausstellung in Königswinter zu konzipieren und Künstler und Künstlerinnen mit sehr diversen Arbeitsweisen einzuladen lag Bettina Meyer deshalb sehr am Herzen.

Die Besucher der Ausstellung in der HOTSPOT KW factory, Kellerstr. 4, 53636 Königswinter, erwartet zeitgenössische Kunst vom Feinsten. Die Arbeiten widmen sich einem zentralen Gedanken hinter dem Projekt HOTSPOT KW: den Herausforderungen und Veränderungen, denen wir uns als Gesellschaft stellen müssen. Hier geht es um künstlerische Ideen und Konzepte, die sich mit Wandel befassen. Es werden Positionen für gesellschaftliche Entwicklungen oder Auseinandersetzung mit kontroversen Denkweisen angeboten und auf formaler Ebene Perspektiven künstlerischen Arbeitens mit anderen Werkzeugen oder der Entwicklung neuer Ideen für klassische Medien gezeigt. Alle Beteiligten nutzen die gegenseitige Inspiration durch die entstehenden Gruppendynamiken und das besondere lokale Umfeld.

Es geht schon am Eröffnungsabend los: Gemeinsam mit Kunstschaffenden und Besuchern möchte Bettina Meyer am Eröffnungstag der Ausstellung, der gleichzeitig auch ihr 55. Geburtstag ist, den Wandel vollziehen und mit der gesamten Ausstellungsgesellschaft um 21.00 Uhr den Drachenfels besteigen.

Bettina Meyer beschreibt die Hintergründe ihres Projekts wie folgt:
Es gibt Orte, an denen man mehr an den Ort denkt als an anderen. Manche nennen es Kraft-Orte, die Nationalsozialisten haben die Geschichtsbezüge für ihre abartige Propaganda genutzt. Eigentlich entstand der Drachenfels durch aufsteigendes Magma, das nicht zur Erdoberfläche durchbrechen konnte, sondern darunter domartig erstarrte; Manch einer kommt allerdings nur hierher, um ins Tal zu sehen, Abstand zu gewinnen den Blick in die Weite zu richten – Pause zumachen- Einen Wandel

herbeizuführen. Gegenüber in Bad Godesberg im Café Agner soll die Schwarzwälder Kirschtorte erfunden worden sein. Erich Kästner schreibt: Wir wandeln uns. Die Schiffer inbegriffen. Der Rhein ist reguliert und eingedämmt. Die Zeit vergeht. Man stirbt nicht mehr beim Schiffen, bloß weil ein blondes Weib sich dauernd kämmt. Dennoch fesselt die tränenförmige Insel Nonnenwert mein Blick und die im blaublau versinkenden Hügel am Horizont berühren den Himmel hier besonders schön. Nicht ohne Grund besetzte die Romantik diesen Ort.

Die Künstlerinnen & Künstler:
Beate Hansen formuliert Romantik als Wellenstruktur, in der sie sich mit rationalen Strömungen (wie z.B. Konzeptkunst) abwechselt. Sie stellt abstrakte, gemalte farbige Formen die skulpturale Aspekte haben, aus und sagt: „Mich interessieren Zwischenräume. Wenn Begriffe in der Schwebe bleiben.“

Lioba Wagner stellt eine ortsbezogene Installation aus, die Künstlerin arbeitet mit hölzernen Fundstücken, die sie reduziert, im Raum ausrichtet und teilweise mit anderen Materialien in neue Bezugsysteme stellt.

Wir sehen realistische, ironische Zeichnungen von Franz Burkardt, deren vermeintliche Eindeutigkeit der alltäglichen und erotischen Motive wird durch teils poetische, teils humorvolle Textfragmente hinterfragt und so eine neue Bedeutungsebene erzeugt.

Malerei zur Natur zeigt Doris Helbling, die ihre Idee von der Welt und von der Landschaft in Farbe umsetzt. Die Schülerin von Gotthard Graubner malt Bilder, die ein inneres Leuchten durchdringen.

Hilli Hassemer malt grossformatige Bilder abstrakte Bilder, in denen sie sich mit Themen wie Struktur, Chaos und Ordnung, von Abstoßung und Anziehung, von Vereinzelung und Zusammenhang auseinandersetzt.

Uli Kuborn wird körperbezogene Malerei zeigen. Ihre Bilder beschäftigen sich hauptsächlich mit den Themen Flüchtigkeit, Bewegung und Raum.

Selman Trovac sendet aus Belgrad eine Video Installation, die Zeichnung und Video verbindet und eine existenzielle Erfahrung reflektiert. Der Zeichnende, das Kunstwerk und die Kamera- als Synonym für den Betrachter oder für das Zusammenführende Element von Zeit und Raum gehen in dem Video Dialog eine subtile philosophische Beziehung ein.

Leonid Sokhranski ist Bildhauer, der einen Bogen spannt zwischen traditioneller Bildhauerkunst und konzeptuellem Denken. Dr. Marietta Franke schrieb zu einer Installation:“ Für den Künstler waltet in dieser Installation ein auf die Evolution gerichtetes Denken*, das sich nicht von Ekel, Misstrauen oder Angst davon abhalten lässt, Kunst als etwas Nicht-Harmloses zu betrachten.“

In Christine Klein-Badalis pastos gemalter figurativer Malerei verwebt sich die Wiedergabe des Sichtbaren mit dem dahinter liegendem Unsichtbaren und dem Grauen der Gefühlswelt. Der Bildraum ist rätselhaft und verwirrend, er entzieht sich einer realistischen Darstellung.

Katharina Jahnke baut Installationen, in denen Präsentationsform und präsentiertes Objekt zu einer Einheit verschmelzen. Sie lenkt den Blick auf jene komplexe Beziehung zwischen Werk und Raum, Bedeutungsproduktion, Text und Bild, die das Ausstellen selbst zu einem wesentlichen Teil zeitgenössischer künstlerischer Praxis erhebt.

Bettina Meyer präsentiert neue Installationen, Tintenzeichnungen und Stapelungen. Ihre Kunst vereint die gestaltlose Idee und die sinnliche Wahrnehmung, sodass das Denken als auch das Auge des Betrachters angeregt werden.

Die Ausstellungsdaten:
Die Nacht auf dem Drachenfels. Bettina Meyer lädt ein. Eröffnung: 28.07.2023 18.00 – 23.00 Uhr
Dauer: 28.07. – 27.08.2023
Öffnungszeiten: Sa/So 14.00 – 17.00 Uhr, sowie nach Vereinbarung

HOTSPOT KW factory Kellerstr. 4
53636 Königswinter


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